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Planeten-R”tsel
Von und mit Dr. Gotthelf Besserweiþ

Aus dem Tagebuch eines Beraters
Es gibt Klienten, die haben ein zumeist unbewuþtes N”he - Distanz - Problem. Sie
werden irgendwie von dem Gef¸hl beherrscht, daþ zwei Menschen sich nur dann wirklich
nahe sein k–nnen, wenn einer Abstand h”lt. Paradoxerweise k–nnen sie zu anderen
Menschen sehr schnell eine groþe N”he herstellen, sich dann aber binnen weniger
Augenblicke wieder seelisch abnabeln und innerlich meilenweit entfernt sein.
Diese Menschen haben ihre Mutter meist als unberechenbar und in gewisser Weise als
unzuverl”ssig erlebt. Meist war sie genau dann nicht zur Stelle, wenn sie sie am
dringendsten gebraucht h”tten. Daf¸r wurden sie von ihr just in dem Moment an ihre Brust
gedr¸ckt, wenn sie am liebsten in Ruhe gelassen worden w”ren oder gerne ihre kindlichen
Freiheiten gelebt h”tten. Nicht selten beschreiben diese Klienten ihre Mutter als unruhig
und nerv–s, vor allem dann, wenn diese sich ganz und gar auf ihre Rolle als Hausfrau und
Mutter beschr”nkt hat. Bei manchen hat die Mutter ihre Mutterrolle selbst kaum wahrnehmen
k–nnen, weil sie weiterhin ihren eigenen Interessen nachging, berufst”tig oder sonstwie
anderweitig engagiert war. In extremen F”llen sind manche dieser Klienten fast wie
Findelkinder aufgewachsen oder von anderen adoptiert bzw. erzogen worden.
Kein Wunder, daþ diese Klienten in der Beratung immer wieder ¸ber ihre unberechenbaren
Gef¸hle klagen. Was sie heute noch n”hrt und unterst¸tzt, kann morgen schon wieder
anders sein, und das einzig konstante an ihren Bed¸rfnissen ist die Tatsache, daþ sie
sich st”ndig ”ndern, manchmal geradezu in ihr Gegenteil umschlagen k–nnen.
F¸r einen psychologisch geschulten Berater ist unschwer zu erkennen, daþ diese Klienten
an einem tiefsitzenden Urmiþtrauen leiden, das ihnen dauerhafte und stabile seelische
Bindungen solange erschwert, bis sie sich ihr Grundbed¸rfnis nach Freiheit und
Unabh”ngigkeit eingestehen und dazu in der Lage sind, im emotionalen Bereich auf ihre
Autonomie zu achten und sich den Freiraum schaffen, der sie innerlich n”hrt und sie in
Einklang mit ihren seelischen Bed¸rfnissen leben l”þt.
Es hat oft etwas Befreiendes, fast komisch Anmutendes, diesen Klienten die St”rken
bewuþt zu machen, die aus ihren Problemen resultieren. So besitzen sie in der Regel eine
rasche seelische Auffassungsgabe. Sie k–nnen blitzschnell auf die emotionale Atmosph”re
ihrer Umgebung oder die Gef¸hle anderer reagieren und sich innerlich darauf ausrichten.
Einer dieser Klienten verglich einmal sein Seelenleben mit einer Teflonpfanne, an der
emotional nichts haften bliebe.
Daf¸r k–nnen diese Menschen leicht ihre Stimmung wechseln. Das ”ndert allerdings wenig
daran, daþ sie sich in bestimmten Situationen wie entfremdet f¸hlen und glauben,
seelisch fehl am Platze zu sein. Deshalb ist es wichtig, sie in der Beratung darin zu
best”rken, ihren Gef¸hlen auch dann zu vertrauen, wenn sie v–llig aus dem Rahmen fallen
und unangebracht erscheinen.
Es besteht kein Zweifel daran, daþ das Seelenleben dieser Klienten etwas Irritierendes an
sich hat, sowohl f¸r sie selbst als auch f¸r andere. ªIch habe –fters den Eindruck,
zwar den K–rper eines Menschen, jedoch die Gef¸hle eines Auþeriridischen zu haben´, so
brachte einer dieser Klienten sein inneres Empfinden auf den Punkt. ªWas ist so schlimm
daran, daþ Ihr Innenleben etwas aus dem Rahmen f”llt?´ fragte ich ihn zur¸ck.
ªEigentlich nichts, solange ich mir dessen bewuþt bin. Aber manchmal schlage ich
innerlich um mich, brauche irgendwie Abstand, einfach so, wie aus dem Nichts heraus. Das
ist dann meist schlimm, weil es so unerwartet kommt.´
ªSie k–nnen Ihre Gef¸hle und Empfindungen nicht einsperren, sie sind ein Kind der
Freiheit.´ Leicht gesagt, doch manchmal schwer getan. 

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