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Heft 98/4

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Planeten-R”tsel

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Von und mit Dr. Gotthelf Besserweiþ

Aus dem Tagebuch eines Beraters

Es gibt Klienten, die haben ein zumeist unbewuþtes N”he - Distanz - Problem. Sie werden irgendwie von dem Gef¸hl beherrscht, daþ zwei Menschen sich nur dann wirklich nahe sein k–nnen, wenn einer Abstand h”lt. Paradoxerweise k–nnen sie zu anderen Menschen sehr schnell eine groþe N”he herstellen, sich dann aber binnen weniger Augenblicke wieder seelisch abnabeln und innerlich meilenweit entfernt sein.

Diese Menschen haben ihre Mutter meist als unberechenbar und in gewisser Weise als unzuverl”ssig erlebt. Meist war sie genau dann nicht zur Stelle, wenn sie sie am dringendsten gebraucht h”tten. Daf¸r wurden sie von ihr just in dem Moment an ihre Brust gedr¸ckt, wenn sie am liebsten in Ruhe gelassen worden w”ren oder gerne ihre kindlichen Freiheiten gelebt h”tten. Nicht selten beschreiben diese Klienten ihre Mutter als unruhig und nerv–s, vor allem dann, wenn diese sich ganz und gar auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter beschr”nkt hat. Bei manchen hat die Mutter ihre Mutterrolle selbst kaum wahrnehmen k–nnen, weil sie weiterhin ihren eigenen Interessen nachging, berufst”tig oder sonstwie anderweitig engagiert war. In extremen F”llen sind manche dieser Klienten fast wie Findelkinder aufgewachsen oder von anderen adoptiert bzw. erzogen worden.

Kein Wunder, daþ diese Klienten in der Beratung immer wieder ¸ber ihre unberechenbaren Gef¸hle klagen. Was sie heute noch n”hrt und unterst¸tzt, kann morgen schon wieder anders sein, und das einzig konstante an ihren Bed¸rfnissen ist die Tatsache, daþ sie sich st”ndig ”ndern, manchmal geradezu in ihr Gegenteil umschlagen k–nnen.

F¸r einen psychologisch geschulten Berater ist unschwer zu erkennen, daþ diese Klienten an einem tiefsitzenden Urmiþtrauen leiden, das ihnen dauerhafte und stabile seelische Bindungen solange erschwert, bis sie sich ihr Grundbed¸rfnis nach Freiheit und Unabh”ngigkeit eingestehen und dazu in der Lage sind, im emotionalen Bereich auf ihre Autonomie zu achten und sich den Freiraum schaffen, der sie innerlich n”hrt und sie in Einklang mit ihren seelischen Bed¸rfnissen leben l”þt.

Es hat oft etwas Befreiendes, fast komisch Anmutendes, diesen Klienten die St”rken bewuþt zu machen, die aus ihren Problemen resultieren. So besitzen sie in der Regel eine rasche seelische Auffassungsgabe. Sie k–nnen blitzschnell auf die emotionale Atmosph”re ihrer Umgebung oder die Gef¸hle anderer reagieren und sich innerlich darauf ausrichten. Einer dieser Klienten verglich einmal sein Seelenleben mit einer Teflonpfanne, an der emotional nichts haften bliebe.

Daf¸r k–nnen diese Menschen leicht ihre Stimmung wechseln. Das ”ndert allerdings wenig daran, daþ sie sich in bestimmten Situationen wie entfremdet f¸hlen und glauben, seelisch fehl am Platze zu sein. Deshalb ist es wichtig, sie in der Beratung darin zu best”rken, ihren Gef¸hlen auch dann zu vertrauen, wenn sie v–llig aus dem Rahmen fallen und unangebracht erscheinen.

Es besteht kein Zweifel daran, daþ das Seelenleben dieser Klienten etwas Irritierendes an sich hat, sowohl f¸r sie selbst als auch f¸r andere. ªIch habe –fters den Eindruck, zwar den K–rper eines Menschen, jedoch die Gef¸hle eines Auþeriridischen zu haben´, so brachte einer dieser Klienten sein inneres Empfinden auf den Punkt. ªWas ist so schlimm daran, daþ Ihr Innenleben etwas aus dem Rahmen f”llt?´ fragte ich ihn zur¸ck. ªEigentlich nichts, solange ich mir dessen bewuþt bin. Aber manchmal schlage ich innerlich um mich, brauche irgendwie Abstand, einfach so, wie aus dem Nichts heraus. Das ist dann meist schlimm, weil es so unerwartet kommt.´

ªSie k–nnen Ihre Gef¸hle und Empfindungen nicht einsperren, sie sind ein Kind der Freiheit.´ Leicht gesagt, doch manchmal schwer getan. bul_r0.gif (851 Byte)

 

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Last Updated: 22.06.98
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