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Planeten-Rätsel

Von und mit Dr. Gotthelf Besserweiß

Aus dem Tagebuch eines Beraters
Es gibt Menschen, die heute von lauter halbvollen Gläsern umzingelt sind,
die sich morgen dann als schon halbleer erweisen. Und was sie gestern voller
Optimismus in Angriff genommen haben, kann sie heute bereits in tiefe
Depressionen stürzen. Sollten sie einmal Pech haben, erweist es sich
hinterher als Glücksfall, und sobald sie hart an ihre Grenzen stoßen,
tun sich ihnen neue Horizonte auf.
Sobald sie versuchen, etwas Gutes zu tun, bringt es ihnen Unglück, und wenn
sie schlecht drauf sind, kommt meist etwas Gutes dabei heraus. Sie sind sowohl
Fisch als auch Fleisch und hätten sie Pferde statt Autos, dann würden
sie ständig Hü und Hott gleichzeitig rufen. Sie stecken voller
Möglichkeiten, denen ihre Realität nicht gewachsen ist, und sobald sie
versuchen, realistisch zu bleiben, heben sie völlig ab. Kurzum, sie
wären die geborenen Optimisten, wenn sie nicht so griesgrämig durch
die Welt laufen würden.
Natürlich stecken diese Menschen voller Widersprüche. Sie machen sich
große Versprechungen, die sie dann mit übertriebener Vorsicht
einzulösen versuchen, und um sich zu bremsen, treten sie mit voller Wucht
aufs Gaspedal. Sie haben Glück im Unglück, aber wenn sich ihnen eine
wirklich günstige Gelegenheit bietet, dann strengen sie sich furchtbar an,
im richtigen Moment das Falsche zu tun. Dabei könnten sie gerade durch
kluge Selbstbeschränkung die Fülle des Daseins optimal
ausschöpfen.
Es fällt ihnen wirklich schwer, im Rahmen ihrer Möglichkeiten
zu bleiben. Entweder schießen sie weit übers Ziel hinaus oder
sie bleiben deutlich hinter ihren Potenzialen zurück. Wenn sie
morgens fröhlich ihr Liedchen pfeifen, dann wissen sie, dass sie abends die
Katz holt, und sobald sie so richtig durchhängen, geht es ihnen gleich
wieder besser. Sie neigen zu Übertreibungen, damit sie sich
anschließend noch mehr züchtigen können, und es fällt ihnen
schwer, ihre Überzeugungen mit der Realität in Einklang zu bringen.
Was sie heute begeistert, kann morgen auf dem Schrotthaufen landen, und was sie
gerade noch Scheiße fanden, kann morgen glänzendes Gold sein. Je
hoffnungsloser ihre Lage ist, desto zuversichtlicher sind sie, doch sobald es
ihnen gut geht, vermögen sie nur noch das Schlechte zu sehen.
Diese Menschen sind wie ein Lottogewinn, der einem das ganze Leben ruinieren
kann, und das wirklich Gute an ihnen kommt genau dann zum Tragen, wenn es ihnen
schlecht geht. Mit ihrer optimistischen Art können sie anderen den Tag
verderben, und wenn sie so richtig niedergeschlagen sind, weckt genau das die
Zuversicht ihrer Mitmenschen. Sie können so hoffnungslos schlecht sein,
dass nicht einmal das Gegenteil davon tatsächlich gut ist, und in der
Übertreibung finden sie zum Wesentlichen.
»Kann es sein, dass Sie manisch-depressiv veranlagt sind?«
»Ach lassen Sie mich doch mit Ihrem Psycho-Gequatsche in Ruhe. Was kann
ich denn dafür, dass das Leben mir heute rosig und morgen wieder
dunkelschwarz erscheint?«
»Na ja, im Leben geht es eben mal rauf und dann wieder runter.«
»Sie immer mit Ihren Binsenweisheiten! Was gut ist, kann doch nicht
plötzlich schlecht sein und umgekehrt.« »Warum nicht?«
»Ich bin nun mal für klare Verhältnisse. Ich mag nicht leben wie
in einer Achterbahn.«
»Es gibt auch langweiligere Arten, sich im Kreis zu drehen. Immerhin
lernen Sie so die Höhen und Tiefen des Lebens kennen.«
»Und was kann ich mir dafür kaufen?«
»Alles, was Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten leisten
können.«
»Darauf kann ich getrost verzichten.«
»Tun Sie das. Es wird sich bestimmt für Sie auszahlen.«
»Wie kommt es nur, dass ich Sie gleichzeitig genial und total bescheuert
finde?«
»Ich spiegele Ihnen nur die Ambivalenz, die Sie zeitlebens mit sich
herumtragen.« »Danke für die Belehrung.«
»Bitte, ich meine es eben gut mit Ihnen.«
»Das macht die Sache ja noch schlechter.«
»Eben, und genau das ist das Beste für Sie!«


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